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2011: Bolivien (Teil 2)

Erstbefahrung Rio Hondo Madidinationalpark Bolivien

Reiseroute

Flug: Berlin – Miami – La Paz – Rurrenabaque, Refugio Jaguarete, Erstbefahrung Rio Hondo im Madidipark, Cacaltaya, Titicacasee, Sonneninsel

Momente gibt's im Leben …

… da möchte man, dass die Welt still steht und alles mal kurz den Atem anhält. 

Ja, wir sind heil wieder zurück und haben auch sonst rein gar nichts Katastrophisches angestellt - Ehrenwort. Und trotzdem war es der Wahnsinn. Alles in Allem sind wir den kompletten Rio Hondo und den Agua Negrito(fließen mitten durch den Nationalpark Madidi), ein kleines Stück Tuichi und den großen Beni mit samt seinen gefährlichen Canyons, inklusive "Monsterstrudeln" runter gepaddelt. Es ist ein irres Gefühl, wenn man ohne das Geknatter eines Motors so ganz alleine durch den Dschungel paddelt. Vor allem, wenn sich der Regenwald wirklich dicht an dicht bis ans Ufer drängt. Plötzlich hört man es rumoren und knacken - das Geräusch kennen wir doch. Die gefürchteten Dschungelschweine! Torte greift zur Machete(im Schlauchboot!). Puh, die Horde ist weiter gezogen, aber es stinkt zum Himmel. Und dann die nächste Biegung - fast direkt vor uns quert dieselbe Horde den nur Vier Meter breiten Fluss. Was für ein Schauspiel. Glücklicherweise nehmen sie keinerlei Notiz von uns. Ein andermal sonnt sich gemütlich Mama Wasserschwein mit sieben Schweinchen am Ufer. Wegen des rauschenden Wassers können sie uns nicht hören. Zwei Tage vorher haben wir auf der Suche nach einem guten Platz zum Fischen in einem kleinen Seitenarm mit fast cocacolafarbenem Wasser eine Fischotterfamilie aufgescheucht. Es sind fünf an der Zahl und alle meckern das Boot an. Abtauchen - auftauchen - gucken und weiter meckern. Der Chef hat vor lauter Aufregung den gerade gefangenen Fisch verloren. In bestem Rüdiger-Nehberg-Stil gehört der natürlich jetzt uns - aber nur als Köder nicht als Braten! Da vergisst man sogar, dass man gerade bei gefühlten 40°C und 100% Luftfeuchte im Wetteranzug im Urwald förmlich im eigenen Saft gart. Wie immer zur Regenzeit sind "Stecher", "Sauger" und "Salzliebhaber" meist unerbittlich. Am schönsten ist es frühmorgens, wenn der Dschungel unter den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne dampft und die Bergspitzen rötlich gefärbt sind. Dann fliegen die Aras laut krakelend über unsere Zelte zu ihren Futterbäumen und wirklich genau am gegenüberliegenden Flussufer quietscht eine Horde Totenkopfäffchen. Einmal konnten wir sie tatsächlich direkt aus dem Zelt heraus beobachten. Natürlich gibt's dazwischen die vielen Stunden, wo sich mal wieder keiner außer den Moskitos sehen lässt. Aber gerade dann, wenn man so ein wenig deprimiert ist - z.B. weil man nach 5 Tagen immer noch keinen Fisch gefangen hat - genau dann passiert was…

Um erstmal den jeweiligen Fluss rauf zu kommen, mussten wir ja den Hinweg mit dem Motorkanu zurücklegen. Melwin hat uns dann bei der Runterfahrt quasi am Abend erwartet. Wir hatten gerade abgesprochen, dass wir zwei Kurven weiter flussabwärts auf einer Sandbank campieren. Melwin fährt vor. Wir paddeln mit gesenktem Kopf. Der Himmel war den ganzen Tag grau und es hat genieselt. Plötzlich kommt uns das Motorengeräusch wieder entgegen. Was soll denn das? Wir wollten doch in Ruhe … Melwin und Manglio gestikulieren wie wild. Es dauert ein paar Minuten, ehe wir kapieren: Jaguar am Ufer! - Schnell einsteigen! Hektisch springen wir ins Holzboot, zerren unser Schlauchboot an Bord und können nicht glauben, was sie uns da erzählen. Während wir lautlos paddeln, haben die mit ihrem blöden Boot tatsächlich einen Jaguar gesehen. Das darf doch nicht wahr sein!! Es dauert ewig, bis wir endlich raffen, dass sie überzeugt sind, dass der Jaguar noch da ist. Während Torte und Martin rum unken glaub ich mal ganz fest an unser Glück. Noch zwei Kurven, dann rein in den Rio Hondo, eine Biegung noch, dann auf der linken Seite bei den großen Treibholzstämmen… Wir fiebern mit. Plötzlich jubelt Manglio - er sitzt tatsächlich noch an der gleichen Stelle. Mist wir sehen nix. Wo denn? Und dann steht er da so einfach rum, direkt oben auf der Uferböschung. Er muss quasi fast 20 Minuten auf uns "gewartet" haben. Er schaut uns direkt ins Gesicht - ein Prachtexemplar von einem Macho und verdammt gut genährt. Erst als Melwin den Motor drosselt, dreht er sich um und verschwindet im Urwald. Wir können es immer noch nicht glauben. Mindestens genauso spektakulär ist die Reaktion von Melwin und Manglio. Sie reißen tatsächlich die Arme in die Luft und jubeln, strahlen übers ganze Gesicht. Sind ein klein wenig stolz. Was für ein Tag, was für ein Moment! Das wird ein langer Lagerfeuerabend mit Jaguargeschichten und einer Extra-Challa für Pacha Mama.