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2011: Bolivien (Teil 1)

Jahrhundertflut im Departmento Beni und La Paz

Reiseroute

Flug: Berlin – Miami – La Paz – Rurrenabaque, Refugio Jaguarete, Erstbefahrung Rio Hondo im Madidipark, Cacaltaya, Titicacasee, Sonneninsel

Freiburg - Rurrenabaque 

Drei Tage Mundologia Festival im Breisgau mit über 20.000 Besuchern und zwei ausverkaufte eigene Vorträge liegen hinter uns. Viele gute Wünsche und den Festivalspreis der Veranstalter (1500 €) für unsere Entwicklungshilfearbeit haben wir im Gepäck. In Chemnitz verabschieden wir uns von Eltern und Kindern, schlafen ein paar Stunden um schließlich am Dienstagmorgen von Berlin über London und Miami nach La Paz zu fliegen.

Es la Vida Regen, Regen nochmals Regen. Seit Stunden schon hat der Himmel seine Schleusen geöffnet. Mit vehementer Kraft drischt der Regen auf das Dach unserer Unterkunft in Rurrenabaque ein. Der so liebevoll angelegte Blumengarten ertrinkt förmlich in den Wassermassen. Die wenigen Meter vom Jeep zu unseren Zimmern haben ausgereicht, um uns beim Entladen zu durchnässen. Es ist jetzt 6:15 Uhr. 21 Stunden nervenaufreibende Schlammschlacht auf der ca. 400 Kilometer langen Strecke La Paz - Rurrenabaque liegen hinter uns. Zusammengefasst bedeutet das kilometerlange, völlig aufgeweichte, mit tiefen Furchen durchzogene, nicht mehr als Straßen zu bezeichnende Erdpisten, zwei Erdrutsche, Steinschläge mit monströsen Felsbrocken und Bäumen, ein Frontalzusammenstoß (ohne uns), zwei umgestürzte LKW, einige im Schlamm versunkene PKW, liegengebliebene Busse und Lastwagen, einen herrlichen Werkstattaufenthalt in Caranavi um unseren defekten Allrad zu reparieren, Bäume und mannshohe Steine vergangener Steinschläge auf den Fahrwegen - vor allem aber ein halbes Kilo Cocablätter und viele Zigaretten zur Beruhigung.

Nach 23 Stunden Fliegerei verfrachtete uns Carlos direkt in seinen Jeep und Bolivien hat sich überreichlich Mühe gegeben, um uns und Martin als Bolivienneuling würdig zu empfangen. Wir waren gleich weiter gefahren, ehe es auf den Straßen nicht noch schlimmer wird.

Hatten wir nach unserer Ankunft im letzten Jahr noch über das neue Gesetz gegen das Mitführen von Alkohol in Fahrzeugen schmunzeln dürfen(was ja eigentlich recht sinnvoll ist, sich aber leider nicht durchgesetzt hat), ist es in diesem Jahr das neue Gesetz gegen verdunkelte Scheiben an PKW und Jeeps. An der letzten Kontrollstelle vor dem Pass "La Cumbre" weist uns ein ungeheuer wichtig und streng dreinblickender Beamter in Militäruniform darauf hin. Mit getönten Scheiben darf nur noch fahren, wer original getönte Scheiben hat! Carlos Jeep hat das - aber wir bräuchten eine Bestätigung dessen und außerdem eine Beglaubigung der Bestätigung, dass die Genehmigung auch echt ist. "Wo steht das?" fragt ihn Carlos. "Hat man das neue Gesetz in der Zeitung oder im TV angekündigt? In Rurre gibt es so eine Beglaubigung nicht." "Nein!" meint der Staatsdiener, "es ist Bürgerpflicht sich über alle Änderungen, die beschlossen werden, selber Informationen einzuholen." Nach einigem hin und her dürfen wir passieren und erfahren, dass abgedunkelte Scheiben wegen der Anschlagsgefahr auf den Präsidenten verboten sind. Nicht zu Unrecht hat Evo Morales Angst. Haben doch ausgerechnet seine treuesten Anhänger aus El Alto vor einigen Wochen die Mautstelle verwüstet und Straßenblockaden errichtet. Eine Benzinpreiserhöhung um 80 Prozent(!) war vorausgegangen. Interessanterweise ist Evo Morales genau durch solch eine Benzinpreiserhöhung seines Vorgängers vor sechs Jahren an die Macht gekommen. Im Moment gibt es im Hochland den Zucker nur noch auf Zuteilung. Missernte - Misswirtschaft?! Politisch motivierte Straßenblockaden gibt's zum Glück derzeit nicht. Wozu auch - die Natur erledigt das. Der Regen zieht weiter durch, Tag um Tag. Nach einem viel zu trockenem Winter folgt nun die Sintflut. Egal - wir freuen uns hier zu sein! Nach jedem Regen scheint irgendwann wieder die Sonne!

Und in den Anden entspringt nicht nur ein Fluss …

Wenn schon mal sonst alles glatt geht, gibt's ja zum Glück noch das Wetter. Seit 24 Stunden sind wir auf den Beinen. Mit viel Coca, Zigaretten und auch einigen Bieren haben wir die ganze Nacht versucht das Cafe von Carlos vor den Wassermassen zu schützen. 6:00 Uhr am Morgen war dann nichts mehr zu machen. Unsere provisorisch errichteten Ziegelwände konnten das Eindringen des Wassers nicht verhindern. Alle wertvollen Gegenstände stehen auf den Tischen oder Stühlen. Im Gegensatz zu den meisten anderen haben wir vorher alles in Sicherheit gebracht. Keiner der Bolivianer hat wohl vorher glauben können, dass derartige Wassermassen den Rio Beni herunterkommen können.

Aber fangen wir mal vorne an: Noch am Sonntag waren wir Feuer und Flamme, Karin wartete mit einer neuen Herausforderung. US-Aid organisiert gemeinsam mit dem DED ein Ausbildungsprogramm für interessierte Guides der ortsansässigen Touragentouren. Leider bekam ihre Kursleiterin aus Nicaragua keine Aufenthaltsgenehmigung - da fiel Karin ein, dass ihr ja quasi drei "Gastreferenten" aus Deutschland mit eigener Agentur vor der Nase saßen. Montag früh bestätigte ein begeisterter US-Aid-Mann den Deal und sofort stürzte ich mich mit Martin in die Arbeit, während Torsten auf der Tierstation alleine nach dem rechten sah. Je länger wir saßen, desto mehr Kurswünsche hatte unser Gegenüber: Wasserrettung, Kontrolle des Kanopy-Trails(es gab da einige Unfälle) samt Sicherheitsunterweisung, erste Hilfe, Sicherheitstraining Rafting usw. Wir haben uns dann auf einen ersten 2 Tages Kurs mit einem Tag Theorie Tourstrukturierung, Guideverhalten, Sicherheit- und erste Hilfe-Training und einem 2.Tag Praxis auf unserer Wiederauswilderungsstation geeinigt. Eine Megachance für unser Projekt! … und eine nervige Aufgabe für Nicole und Falkator - sie haben uns quasi über Nacht per Mail unzählige Bilder für eine Datashow über die Arbeit als Guide in Deutschland zugesandt. Danke!!!! Leider konnten wir die Mail wegen der Stromausfälle dann ewig nicht lesen - es la Vida. Aber weiter im Text. Ich pädagogisiere also mit Martin um die Wette und draußen regnet`s und regnet`s, also alles wie immer dieses Jahr. Am Abend sitzen wir gemeinsam vor Mindos Holzhütte. Aus einer Cerveza werden viele. Es wird Coca gekaut und in alten Geschichten geschwelgt. Mindo war die letzten Jahre unser Motorista auf jeder medizintour und gibt einen schwank nach dem anderen zum Besten und dann merken wir erst, dass der Flussjetzt stärker steigt. Kein Grund zur Nervosität, schön tranquillo - no hay problemas. Amüsiert beobachten wir die alljährliche Hochwasserprävention in der ersten Häuserreihe(im Normalfall 200m entfernt von der Uferkante aber immer betroffen). Also erstmal gucken und wichtig - fachmännisch rumlabern, zum vorsorglichen Ausräumen ist es nun wirklich zu früh! Na gut, bauen wir erstmal einen Steg aber hochgestellt wird auf keinen Fall! Um Mitternacht brechen wir auf. Der Fluss hat die ersten Häuser erobert, Schaulustige sorgen für erhöhtes Verkehrsaufkommen und es wird viel gefachsimpelt aber immer noch nicht geräumt.

Tag 2 - der Fluss ist weiter gestiegen. "Draußen" im Flussbett tobt und gurgelt eine schlammbraune Bestie. Die braune Brühe schießt förmlich flussabwärts. Es türmen sich Wellenberge von mehreren Metern auf. Das Wasser zwischen den Häusern strömt ebenfalls immer stärker. Auch Mindos Hütte, ein Holzhaus auf Stelzen, "schwimmt". Die einen versuchen nun endlich mit Booten ihr Hab und Gut zu retten, andere mussten bereits aus ihren Häusern evakuiert werden. Die Armee hat Zelte aufgestellt. Der Katastrophentourismus der Bolivianer macht sprachlos. Unzählige Mototaxis bringen Schaulustige, andere schlendern zu Fuß heran, Popkornverkäufer haben Stellung bezogen, Fotoblitze zucken. Mittendrin versuchen Tischler mit Einbäumen ihre Werkzeuge und Materialien zu retten - endlich beschwert sich mal einer, dass so viele gaffen und keiner wirklich hilft. Der Beni hat sich bereits drei Häuser geholt … Die neuesten Nachrichten sind beunruhigend. Es regnet weiter in La Paz - Erdrutsche und Flutwellen. Guanay steht völlig unter Wasser - das gab es noch nie in der Erinnerung der einheimischen. Und all das Wasser wird in Rurrenabaque einfallen - mehrere Meter. Warten auf eine Katastrophe. Wenigstens kam heute Morgen die Nachricht, das auf der Station alles in Ordnung sei - Aufatmen.

Der Strom in Rurre wurde sicherheitshalber abgestellt. Während das Wasser im oberen Ortsteil stark strömt, hat es in den unteren tiefer gelegenen Gebieten bereits den Damm geflutet und steigt als mehr oder weniger stehende Lagune/Kloake. Wer hier wohnt hat vielleicht einen Trinkwasseranschluss, aber niemals nie ein Abwassersystem. Während im Zentrum blutjunge, flapsende Soldaten Kühlschränke evakuieren, tragen hier alte Leute schwere Säcke auf den Schultern durch das schlammige Wasser oder retten das letzte Huhn. Und es regnet dazu immer noch in Strömen. Wirklich glücklich sind die Schulkinder - sie haben schulfrei - wie immer wenn es regnet. Verzückt toben sie durch die Fluten oder lassen sich im Wasser treiben. Ein einziger Ladenbesitzer ist immerhin auf die Idee gekommen, seinen Laden zuzumauern! Wir bieten Freunden unsere Hilfe an und vergessen dabei ganz, dass man im Santa Ana ja auch ab und an unter Wasser steht. Als wir ankommen schwimmt unser Zimmer bereits. Torte ist gerade dabei unsere Sachen zu sichern. Immerhin haben wir überhaupt die Chance in ein höher gelegenes Zimmer zu ziehen! Gegen 16:00 Uhr melden sich unsere Arbeiter nochmal. Carlos will sie sofort rausholen, eh es zu spät ist und sie eingeschlossen werden. Außerdem werden sie von ihren Familien jetzt dringender gebraucht. Chico lassen sie frei, damit er sich selbst retten kann, falls die Flut auch hierher kommt. Alles andere wird gesichert. Die Motorräder müssen sie zurücklassen denn es ist bereits zu spät. Es folgt eine Odysee. Unser Notfallfloß von letzer Woche ist bereits weg gespült. Immer wieder endet ihr Weg am Wasser schließlich müssen sie mehrmals schwimmen. Wir machen drei Kreuze, als sie endlich die Straße erreichen. Was wohl aus den Dörfern flussabwärts wird? Wie geht's den Leuten am Quiquibey?

Als geschulte Hochwasserhelfer der sächsischen Jahrhundertflut beschließen wir, die Nacht mit Carlos vor seinem Cafe zu verbringen - um Wache zu halten und helfen zu können. Wer zur Jahrhundertflut dabei war erinnert sich vielleicht an diese eigenartige Gefühlssituation. Da sind auf der einen Seite das Bangen und Hoffen, dass das verdammte wasser endlich aufhört zu steigen und dann gibt's dazu so eine irrwitzige Gefühlsmischung aus Tatendrang, Zweckoptimismus und vor allem Galgenhumor. Heulen hilft nicht, da kann man ebenso gut zusammensitzen, Cerveza schlürfen und Geschichten erzählen - Todo es posibile, nada es seguro!

Nachdem wir Stellung bezogen haben, bauen wir erstmal einen ordentlichen Schutzwall aus Nachbars Ziegelsteinen. Und Mauer bauen, das können die Ossis. Von der Flut trennt uns noch etwa ein halber Meter. 1m mehr lautet die Prognose - bisher. Also sichern wir die Einrichtung, hiefen Kühlschränke und Herd auf Tische und Stühle. Endlich wird der Strom für einige zeit angestellt - da bleibt wenigstens das Bier kalt. Unser rechter Nachbar(vom Internetcafe) lehnt unsere Hilfe beim Sichern seiner Computer erstmal ab. Er habe ja sowieso keine tische und überhaupt - er schließt lieber resigniert die Hütte zu und haut ab. Oh Bolivia. Bei unserem rechten Nachbarn fehlt der Türschlüssel, es kommt keiner rein… jetzt schlagen schon immer wieder Wellen gegen unsre kleine Mauer, aber wir sind noch im trocknen und der Kühlschrank funktioniert. Im Gegenteil zum Telefonnetz. Wir hoffen, das Licht bleibt an. Denn man hört dem Fluss arbeiten - ein starkes rauschen und mahlen dazwischen dumpfe Schläge, berstende Wände. Das Licht soll den Leuten Mut machen. Es wird immer noch evakuiert. Bangen - ist die Flutwelle von Guanay jetzt durch?! Hoffnung - in La Paz hat es aufgehört zu schütten! Ernüchterung - die Brücke bei Sanpecho wird überspült! Das wasser ist dabei den Damm zur brücke wegzuschwemmen. Sanpecho liegt oberhalb. Die besagte Brücke ist über 600 Meter lang und über 25 Meter hoch - 600mx25m wasser auf einer Stelle. Unvorstellbar diese Wassermasse, ein schauer läuft über den Rücken. In den Bergen regnet es weiter und wir können nur abwarten. Plötzlich steht Melwin vollkommend durchnässt vor uns. Er keucht und bittet um unser Schlauchboot. Das Wasser in seinem Haus steigt immer weiter und er weiß nicht wie er seine Sachen rausholen soll und wo er sie überhaupt in Sicherheit bringen könnte. Brusttief ist das Wasser. Martin rast mit ihm durch die Nacht, um unser Boot von Carlos haus zu holen. Wenn es doch wenigstens aufhören würde wie aus Eimern zu gießen. Als alles gesichert ist, stößt Melwin etwas beruhigter zu uns. Immerhin, auch der internetnachbar hat sich 2 Tische geborgt und wir haben seine Rechner hochgestellt. Im Nachbarbüro haben wir auch ausgeräumt. Aber am Ende werden wir die einzigen sein, die die ganze Nacht ausharren. Es ist bereits nach Mitternacht. Die ersten wellen schwappen über unseren Schutzwall. Inzwischen strömt vor uns auf der Straße ein Fluss. Wie ein Geisterboot taucht plötzlich das Motorkanu der Chalalan-Lodge vor uns auf, sie erkundigen sich, ob alles ok ist und schützen auch vor ungebetenen Gästen. Natürlich wird sofort wieder gelacht. Ob sie nicht als Taxi und Pizzaservice arbeiten wollten…. Tieflandbewohner taugen einfach nicht zum Dramatisieren. Die ganze Nacht werden sie Patrouille fahren. Die Stunden kriechen zäh wie Leim dahin, man hört den Fluss und verflucht seine eigene Fantasie. Klar gibt es keine fundierten Nachrichten oder Prognosen, dafür jede Menge Räuberpistolen. Nach Zwei Uhr nehmen Martin und ich erstmal ne Mütze Schlaf. 5:00Uhr soll Wachablösung sein. Torte und Carlos harren aus, helfen dem ein oder anderen Nachbarn, der den Ernst der Lage nun doch erkennt, grüßen regelmäßig die Patrouille. Richten aller 5 Minuten die Mauer wieder auf - bis sie schließlich bricht. Als wir 5:00 Uhr auftauchen, erblicken wir zwei ziemlich feuchtfröhliche Gestalten, die mit weit aufgerissenen Augen behaupten gar nicht müde zu sein und selbstbewusst mit ihren Stühlen im wasser sitzen. Das Wachbleiben hat wohl ne menge Bierchen gekostet. Erst viel später am morgen können sie endlich überzeugt werden, ins Bett zu verschwinden, da können sie kaum noch sitzen.

Wirklich beängstigend ist, der Fluss steigt immer noch weiter. Wir können nichts weiter tun als noch mehr Dinge zu bergen, die großen Kühlschränke vom Stuhl auf den Tisch zu wuchten. Das Wasser steht bereits 20 cm hoch im Café trotz Schutzmauer direkt vor dem Eingang. Wir geben unsere Stellung vorerst auf. Als Rettungsboot paddeln Martin und ich bis nachmittags durch die überfluteten Gebiete und versuchen Freunden zu helfen. So ist unser Boot wenigstens im Einsatz und es ist ein echter Publikumsmagnet - nicht nur für die Kinder, welche uns förmlich überfallen. Allen steht das Wasser bis zum Hals und trotzdem herrscht so eine eigenartig ausgelassene Stimmung. Man kann eh nix ändern, also macht man das Beste draus und wenn's das Bootfahren zwischen den Häusern ist. Nicht nur die Kids haben das Wasser als Zeitvertreib entdeckt. Wir fungieren sogar als Shuttleboot. Dann plötzlich die elektrisierende Neuigkeit: Der Fluss sinkt! Tatsächlich, man sieht bereits einen nassen Streifen an den Hütten. Ein paar Zentimeter nur, aber es stimmt! Wer clever ist, beeilt sich nun mit dem sinkenden wasser auch gleich den stinkenden Schlamm aus den Häusern zu spülen. Während Carlos und Torte immer noch schnarchen, schrubben wir mit Karin um die Wette. Immerhin, hätten die beiden nicht die ganze Nacht gewacht und gesichert wären die Schäden und die Sauerei viel schlimmer gewesen. Leider ist nun neben dem Strom auch das wasser abgestellt. Wir bekämpfen Schlamm mit Schlammbrühe. Vor uns auf der Straße toben immer mehr Kinder und Jugendlich in den Fluten. Einige haben tatsächlich aufblasbaren Fische oder Schwimmringe dabei. Andere schieben immer wieder einen Einbaum bis zum oberen Straßenende und lassen sich dann unter großem Gejohle von der immer noch starken Strömung abwärts tragen. Ein paar findige Knöppe haben sich leere Plastikflaschen unter die T-Shirts gesteckt, dazu noch 2 in den Händen und jetzt treiben sie als lebende Bojen die Straße runter. Vor solch kreativem Recycling ziehen wir den Hut! Pünktlich mit den Räumarbeiten hat auch hier der regen aufgehört - genau wie bei unserer Jahrhundertflut. Das wahre Ausmaß der Wassermassen wird man erst in ein paar tagen wirklich abschätzen können. Vor allem die überfluteten Felder, die vernichtete ernte und ertrunkene Nutztiere werden die Menschen besonders treffen. Denn die Katastrophe fand und findet noch bolivienweit statt, in 5 Bundesstaaten. Gerade bangt man um Trinidad. Auch die zerstörten brücken machen sich bemerkbar. Es kommen vorerst keine Tanklaster, keine LKW mit Lebensmitteln … Aber der Fluss sinkt weiter, die Sonne scheint und morgen ist auch noch ein Tag - Todo es posibile, nada es seguro en Bolivia!

Ob womöglich Martins Anwesenheit was mit den ständig wiederkehrenden extrem wasserhaltigen Abenteuern zu tun hat?!?

Inzwischen hat die bolivianische Regierung den Ausnahmezustand verhaengt ...