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2006: Bolivien, Peru, Ecuador

Fotos von links oben nach rechts unten:
Totenkopfäffchen, Lawaechse auf Galapagos, Rio Quiquibey, Vulkanausbruch Tungurahua

Reiseroute

Bolivien, Peru, Ecuador - La Paz- Guanay, Rio Kaka- Mayo, Rurrenabaque, Santa Rosa- Rio Yucumo, Bootstour- Rio Quiquibey, La Paz, Titicacasee, Puno, Cusco- Sakaltay Trek- Machu Pichu, Lima, Piura, Loja, Villcabamba, Galapagos- Isla Santa Cruz, San Christobal, Tena, Misahualli, Banos, Quito

Januar 2006:

Nach einem herrlich entspanntem Winterurlaub mit den Kindern und den Freunden aus Leipzig im tschechischen Tanvald fällt der endgültige Abschied von zu hause diesmal sehr schwer. Mutter macht mir Vorwürfe, dass ich mich zu wenig um sie gekümmert habe. Dabei kann sie das vor allem in diesem Jahr nicht ernsthaft behaupten.

Pauline weint zum Abschied. In kurzen Momenten möchte ich am liebsten zu hause bleiben. Aber irgendwann sind auch diese drei Monate vorüber und wir werden uns alle Fragen, wo die Zeit geblieben ist.

Kurz bevor uns Ilkas Mutti zum Chemnitzer Hauptahnhof bringt, klingelt das Telefon. Mutti Roder ist dran und meint nur kurz, dass sie uns ganz doll lieb hat. Na wer sagt es denn. Doch damit nicht genug auch Susi, die Mutter von Fridolin und Pauline, meldet sich noch mal bei uns, bietet sogar an, mit den Kindern noch mal kurz bei uns vorbei zu kommen. Na wer sagt es denn. Alles wird gut!

Trotz unserer riesigen Gepäckberge, packen wir unsere in der gesamten Wohnung verstreuten Ausrüstungsgegenstände in Rekordzeit zusammen. Ilkas Mutti bringt uns zum Bahnhof. Auf dem Beifahrersitz wird mir himmelangst. Sie fährt wie Michael Schuhmacher. Ansonsten merkt man ihr, im Gegensatz zu den voran gegangenen Jahren, ihre Nervosität kaum an. Der Abschied ist wie immer herzlich. Die Zugfahrt nach Leipzig verschlafen wir komplett.

Am Bahnhof treffen wir Rick. Als er uns mit unserem Boot, den zwei Rucksäcken, dem Handgepäck, den Paddeln, den Geschenken, den Dingen für unser Hilfsprojekt (insgesamt 86 kg) rumhantieren sieht, meint er nur kopfschüttelnd, dass wir es diesmal wohl wirklich übertreiben. Da uns Rick beim Tragen hilft brauchen wir den Weg zum Gleis 10 nur einmal zu bewältigen. Unser ICE nach Frankfurt steht schon da. Ilka findet noch zwei freie Plätze, das Gepäck verstauen wir im Mittelgang. Rick winkt uns noch durch die offene Tür zu. Der Schaffner kommt zu unserer noch einzigen offenen Tür. Im Sächischen Slang brabbelt er vor sich hin. "Endlich, letzte Etappe nach Dresden." Was Dresden, Halt, Halt! Wir müssen hier raus. In sekundenschnelle schmeißen wir unser Gepäck auf den Bahnsteig. Hektik! Haben wir auch nichts vergessen? Ne alles da! Fragend schauen wir uns an. Soviel Abenteuer und das schon in Leipzig. Unser ICE nach Frankfurt fährt doch von Gleis 10? Aber erst in Zwanzig Minuten.

Abends halb zwölf gibt es auf dem Frankfurter Flughafen erstmal zwei Bier zu 4,50 Euro das Stück. Vor drei Tagen im tschechischen Tanvald haben wir für diesen Preis noch zehn bekommen. Egal, eine Stunde diskutieren wir noch über die uns bevorstehende Bootstour in Bolivien. Irgendwann fallen uns die Augen zu. » alles lesen!

Galapagos

Nach langen Diskussionen wegen der Finanzen haben wir uns unseren Traum doch schon vor der Rente erfüllt. Galapagos - auch so ein Ort den man einmal im Leben gesehen haben sollte, leider ein ziemlich exklusiver. Alle sind in der Regel der Meinung so was geht nur mit einer Kreuzfahrt. Ist sicher eine spannende Variante aber für uns einfach nicht bezahlbar. Dazu kommt noch, dass die Touristen auf dem Festland oft für dumm verkauft werden. Wir haben welche getroffen, die für 5Tage 700 Dollar gezahlt haben ohne Flug(ca. 350 Dollar) und Nationalparkeintritt(100 Dollar)! Man landet dann gegen 14:00 auf der Insel, den Rest des Nachmittags verbringt man im Besucherzentrum.

Aufs Schiff geht's erst am nächsten Tag. Da die Rückflüge vormittags starten hat sich der 5. Tag auch erledigt. Macht effektiv drei Tage auf dem Schiff für 700 USD!

Die Flugpreise waren bei allen Gesellschaften gleich, sie sind Saison abhängig. Auch hier zahlen Ausländer das Doppelte. Aber das Rückflugdatum und den Rückflughafen (San Christopal oder Baltra) kann man offen lassen bis zu drei Monate. Im Flieger sitzen außer ein paar Einheimischen nur straff organisierte Reisegruppen aus Amiland. Das sorgt für ausreichend Unterhaltung. Zu sehen gibt's auf den ca. 1000 Flugkilometern eh nicht viel.

Wir landen auf der kleinen Insel Baltra, einem ehemaligen amerikanischen Militärstützpunkt. Im zweiten Weltkrieg haben die Gringos von hier aus den Panamakanal beschützt! Unser Gepäck ist bereits in Guayaquil auf dem Festland gründlich gefilzt worden vor allem auf frische Lebensmittel. Eines der größten Probleme ist es, zu verhindern, das weitere Keime, Lebewesen usw. auf die Inseln eingeschleppt werden. Deshalb haben wir vorher nur Konserven und Tütensuppen eingekauft. Den strengen Richtlinien unterliegt leider auch die rote Rose, welche jede Frau von der Fluggesellschaft bekommen hat. Heute ist nämlich Internationaler Frauentag! Torte hat's, wie jedes Jahr, vergessen!

Die 100 USD Nationalparkeintritt werden wir noch vor der Einreisekontrolle los. Die Preisspanne ist wieder heftig, die eindeutig reichen Ecuadorianer nach mir zahlen nur 6 USD. Aber vergessen, immerhin darf man dafür so lange bleiben, wie man will!

Mit dem Bus geht's 10 Minuten bis zur Küste. Ein schmaler Kanal trennt Baltra von der Hauptinsel Santa Cruz. Der nächste Bus bringt uns von der Fähre in 40 Minuten quer über die Insel bis nach Pt. Aroya. Die Küste wirkt sehr trocken und karg, in den Bergen ist es grün und bewaldet. Das Farbspiel im Meer ist einmalig.

Der Bus lässt uns genau am Hafen raus. Doch für die Kreuzfahrtschiffe haben wir noch keinen Blick. Wir müssen erstmal ein bezahlbares Hotel finden und das gestaltet sich nicht nur wegen der Hitze nervig. Die preiswertesten sind erstmal ausgebucht. Es sind eben gerade Ferien in Ecuador und erstaunlich viele haben das Geld für einen Galapagostrip. Wir kommen uns richtig ärmlich vor mit unserem Budget.

Schließlich finden wir nach ewiger Zeit ein ganz kleines Zimmer mit Ventilator und dem Luxus eines eigenen Bades für 20 Dollar. Klingt nicht viel für Deutschland und bei dem exklusiven Standort aber sonst liegen unsere teuersten Hotels bei max. 10 USD. Dafür ist das gesamte Flachdach eine riesige Terrasse. Während der Kocher brummt genießen wir den direkten Blick auf den Hafen. Zwischen den Fischerkähnen liegen einige richtig große Kreuzfahrtpötte. In großen Schlauchbooten werden die Touristen zwischen Schiff und Insel hin und her chauffiert. Der Hafen und die schmucke Pier sind das quirligste Terrain der Insel. Jeden Abend finden direkt an der Mole Volleyballmatches (3:3) der einheimischen Männer statt. Es ist ein einmaliges Gepose, Diskutiere und sich Aufplustern, obwohl die Spieler allesamt schon gestandene Seniores sind. Ein Ereignis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte!

Die kleinen Fischerboote liegen direkt am Fischmarkt. Wie wir erst am zweiten Inseltag feststellen hängen dort nicht nur die meisten Pelikane ab sondern sogar eine kleine Truppe Seelöwen. Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Das in Europa übliche Fluchtverhalten der Wildtiere ist absolut nicht vorhanden. Es ist einfach unglaublich und wird uns die nächsten Tage immer wieder in Erstaunen versetzen!

Im Besucherzentrum stehen wir zum ersten Mal vor einer der Hauptattraktionen von Galapagos, den Riesenschildkröten. Kleine Fußwege ohne Trennzäune führen durch ihre Gelände. Es sind wahre gutmütige Giganten, durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Wenn man bedenkt, wie lange sie leben. In der Aufzuchtstation sehen wir sogar ganz frisch geschlüpfte. Ihre Größe und die Schutzlosigkeit wurde auch ihr Verhängnis. Für Seefahrer und die ersten Farmer waren sie eine zu leichte Beute. Wir sehen Bilder mit tausenden leeren Panzern abgeschlachteter Schildkröten. In nur 10 Jahren hat man allein 100 000 von ihnen getötet. Die wohl bekannteste aller Schildkröten ist "lonsome George", ein Koloss. Überall auf der Welt suchen Biologen nach einem zweiten Überlebenden dieser Art. Bisher vergeblich.

Regelmäßig bekommt er die hübschesten Mädels anderer naher Verwandter vorgestellt, ebenfalls ohne Erfolg. Da er noch viele Jahre zu leben hat, hat die Menschheit wohl noch viel Zeit dabei zu schauen, wie wieder eine Art unwiederbringlich von unserem Planeten verschwindet. Durch die sehr anschaulichen Infotafeln kann man sich das Besucherzentrum sehr gut alleine erschließen und vor allem so lange und so oft man will (Eintritt frei)!

Wir wollen die Elefantenschildkröten natürlich unbedingt noch in "Freier Wildbahn" sehen. Auch das geht auf eigene Faust. Vom Flughafenbus lassen wir uns in den Bergen bei den "los Gemelos" raussetzen. Das sind zwei große Vulkaneinsturztrichter. Schließlich sind die Inseln auch geologisch mehr als beeindruckend. Von dort laufen wir zurück bis St. Rose. Vom kleinen Dorf führen ungefähr sechs Kilometer Fußmarsch zum Schildkrötenreservat "el chato". Der Weg zieht sich endlos durch langweiliges viehwirtschaftlich genutztes Gelände. Sprich links und rechts kilometerlange Weidezäune. Wir glauben schon längst am falschen Ort zu sein, als wir endlich die beschriebene Stelle erreichen - eine unscheinbare braune Mini-Schlammpfütze. Ansonsten gibt es nichts, keine Hinweistafeln (die gibt's hier sonst zu Hauf), keine Ranger, kein nichts! Total verschwitzt und enttäuscht plumpsen wir ins Gras. Da bewegt sich plötzlich ein großer brauner Huckel! Es ist eine! Und da ist noch eine! Wir kriechen unterm Weidezaun durch und entdecken immer mehr. Sie sind wirklich da, einfach so inmitten einer Kuhwiese. Könnte auch eine steinige Kuhwiese bei uns im Erzgebirge sein ... Die sanftmütigen Giganten sind zwar riesig aber wenn sie still liegen gar nicht so leicht zu entdecken. Wir sitzen einfach da und schauen gebannt zu, es ist zu unwirklich, sie ziehen noch nicht mal die Köpfe ein! Torsten würde zu gerne mal eine hochheben ... Auf dem Rückweg haben wir Glück, ein Collectivo nimmt uns mit zum Hafen.

Die Unterwasserwelt ist ein weiterer Höhepunkt. An der Touriinfo erklärt uns der fähigste Mitarbeiter den wir je in so einer Einrichtung gefunden haben geduldig jeden lohnenswerten erreichbaren Ort zum Schnorcheln.

Schnorchelausrüstung kann man für 4-5 USD leihen. Zuerst erkunden wir "las grietas", tiefe Wasser gefüllte Felscanyons, die irgendwo im Meer beginnen und sich auf dem Festland fortsetzen, unterbrochen durch Felsstürze. Das Wasser ist kalt. Wir sind ganz alleine in der Schlucht. Atemlos gleiten wir über steile Felsabbrüche die im Bodenlosen enden. Gruselig! Hier im Süß- /Salzwassergemisch entdecken wir unsere ersten Papageifischschwärme.

Nächster Versuch am Strand: Wir deponieren unsere Sachen im Mangrovengestrüpp und bemerken den großen Seelöwen der genau einen Meter vor uns unterm Geäst liegt überhaupt nicht. Der Kerl bleibt einfach liegen und nur ein kurzer Blick seinerseits verrät, dass er überhaupt lebt. Geht gar nicht! Unter Wasser tobt das Leben, unzählige verschiedene Fische, Gewächse, Getiere und das so nah am Ufer. Gleich beim ersten "Tauchgang" entdecken wir eine orangene Wasserschlange mit schwarzen Punkten (ist natürlich in Wirklichkeit ein dünner Aal)und einen Rochen. Er hat sich nah am Ufer im Sand eingegraben und alle sind barfuss! Im Dschungel waren wir wegen diesen Gesellen immer extrem vorsichtig. Man erklärt uns später, dass selbst die Rochen auf Galapagos nicht aggressiv sind, wie so viele Tiere... Wir sind im Paradies! Nächstes Ziel ist die Tortuga Bay, ein endlos langer schneeweißer Sandstrand, der erstmal blind macht in der gleißenden Sonne. Hier leben Lawaechsen und je länger man hinschaut, desto mehr entdeckt man von ihnen auf den Felsen in der Brandung und auch direkt am Strand. Es ist unheimlich schwer, sie beim schwimmen zu beobachten, dafür posieren sie an Land geduldig. Es sind Urviecher aus einem Land vor unserer Zeit, Drachen eben und zum Teil sind es ganz schöne Brocken. Wer genauer hinschaut findet sie an fast allen Stränden auf den Inseln.

Abends sitzen wir dann auf dem Dach, der gute alte Kocher blubbert vor sich hin und wir sind froh, hier zu sein. Auch die Kocherei ist leichter als gedacht. Entgegen aller Infos sind die Märkte gut und vor allem preiswert bestückt. Auf den ganzen Inseln gibt es ein strenges Pfandsystem, sogar für Plasikflaschen. Warum kann man das nicht endlich auf den restlichen Kontinent ausdehnen. Denn auch das ist was Besonderes: Die Insel ist selbst in versteckten Ecken sauber. Man hat das Gefühl, die Kinder bekommen den Nationalpark-Geist schon in die Wiege gelegt.

Wir wollen mehr sehen, also kaufen wir uns Tickets für die zweistündige Überfahrt zur Insel San Christobal. Eigentlich war alles klar, aber fast wäre alles ganz anders gekommen... Der wissende Mann von der Info hatte uns am Vorabend nämlich nicht nur gesagt, was auf San Christobal alles möglich ist ohne Führer. Sondern er hat uns auch von der Isla Isabella vorgeschwärmt. Sie ist drei Stunden entfernt, auch mit öffentlichen Transportmitteln zu erreichen, viel größer und viel schöner, viel preiswerter und überhaupt! Es war eine knifflige Entscheidung. Beides geht nicht, aber am liebsten wollten wir alles. Am Ende sind wir bei S. Christobal geblieben, denn nur dort existiert ein Rückflughafen und der Transport ist preiswerter. Isla Isabella hätte für jeden von uns 100 USD Mehrkosten bedeutet und die haben wir nicht. Vielleicht kommen wir ja noch mal wieder, wenn wir alt und reich sind!

Noch im Boot während der Fahrt hadern wir mit unserer Entscheidung, erst recht nach der Ankunft: Der erste Eindruck ist Nerv. Die gesamte Uferpromenade ist eine riesige Baustelle und abgehangen, der Ort scheint lange nicht so schön wie PT. Aroya und die Suche nach einer schönen Unterkunft gestaltet sich noch zäher, ausgebucht oder überteuerte abgewohnte Gruften. Aber das Suchen lohnt sich! Letzten Endes hat das eher teure Hotel Orca mit 20 Dollar das preiswerteste Zimmer für uns. Hier steigen auch die Kreuzfahrer Gruppen ab. Wir bekommen ein großes helles Zimmer mit eigenem großen Bad voller Handtücher und warmen Wasser(wozu auch immer), mit Kühlschrank(das wichtigste überhaupt), mit Klimaanlage (viel zu laut um schlafen zu können), mit Fernseher(vollkommen unnütz)und der Hit ist die große Dachterrasse zum Meer. Denn San Christobal ist die Insel der Seelöwen und die aalen sich nun direkt zu unseren Füssen im Sand, albern auf den Steinen rum und legen sich auch mal direkt vor die Tür.

Wer will sich da noch ärgern, kochen wir eben heimlich im Bad! Wir kaufen uns eine Flasche Rum für zwei Dollar und sitzen wie die Grafen auf unseren Liegestühlen. Unsere Blechtassen mit Cuba libre scheppern beim Anstoßen, vor uns schaukeln die Lichter der Yachten im Hafenwasser und unter uns blöken die Seelöwen. El paradiso! Seelöwen, wohin man kommt. Sie umtauchen einen beim Schwimmen und wollen wirklich spielen! Am Anfang verursacht diese Nähe schon ein mulmiges Gefühl. Wie Kinder klapsen sie in der Brandung der Wellen rum. Aber an der Loberia will eine Mutter auch mal grundlos richtig Eindruck schinden. Sie schießt auf jemanden zu und brüllt. Mit wenigen Sätzen ist man aus dem Wasser, doch erst wenn sie ihr Opfer auch noch die Böschung raufgescheucht hat ist sie zufrieden. Das macht sie ein paar Mal und haut dann einfach ab. War wohl auch nur ein Spiel.

Am Strand Punta Carola, gleich um die Ecke, soll es Wasserschildkröten geben. Wir stürzen uns in die Fluten. Und wirklich, ganz nahe vor mir taucht eine auf. Sie sind größer als erwartet und schwimmen so nah um einen herum. Wir sind total aus dem Häuschen, vergessen in der Euphorie ständig den Schnorchel aus dem Mund zu nehmen bzw. ihn wieder reinzustecken vorm Abtauchen, wenn wir den anderen auf eine neue Entdeckung aufmerksam machen wollen. Und dann passiert was noch Unglaublicheres. Wir sind immer noch in der Badebucht und vor mir schwebt ein Riesenmanta durchs Wasser. Es ist nur ein kurzer Moment. Ich schlucke literweise Wasser bei dem Versuch Torte auf das Wunder aufmerksam zu machen, so aufgeregt bin ich. Der war so groß - aber auch sehr schnell.

Aber wir haben ja noch was ganz Besonderes vor. Einmal wollen wir uns auch einen geführten Ausflug gönnen, vielleicht ja sogar tauchen. Der Tagesausflug zum anderen Inselende wird abgewählt. 60 Dollar, dafür das man den halben Tag im Boot verbringt um dann noch mal Seelöwen, Schildkröten usw. zu sehen bekommt, sind uns die Sache nicht wert. Das Tauchen ist für uns als Ungeübte leider auch unrealistisch, 80 Dollar für 30 Unterwasser-Minuten. Doch man kann ja auch da draußen auf dem Meer schnorcheln.

8:00 probieren wir die Ausrüstung an, dann geht's mit dem Boot raus zum Kickersrock, zwei Felsen die ca. 140 m steil aus dem Meer aufragen. Getrennt durch einen schmalen Kanal wirken sie wie ein riesiges Tor. Unterwegs können wir an der Küste u. a. die berühmten Fregattvögel beobachten. Ihre aufgepumpten Kehlsäcke leuchten wirklich wie knallrote Luftballons.

Auch auf den beiden Felsen hocken hunderte verschiedene Seevögel z.B. Blaufusstölpel.

So, da sitzen wir also mitten auf dem Meer und sollen jetzt nur mit unseren Masken und Flossen da raus. Die Taucher verschaffen uns noch eine Galgenfrist, dann müssen wir ins "Haifischbecken". Jawohl ins Haifischbecken!

Der Fels ist einer ihrer Lieblingstummelplätze. Als ob das tiefe offene Wasser nicht schon genug Gänsehaut bereitet. Da kann man die ersten Schwimmzüge am Fels entlang gar nicht so recht genießen, obwohl der Fels unter Wasser nur so überquillt vor Leben. Tief unter uns müssen die Taucher sein, ein paar Blasen steigen auf. Sie sind 80 m unter uns. Es ginge noch tiefer. Plötzlich ein großer Schatten! Schrecksekunde, aber es ist nur eine Robbe. Dann nähern wir uns dem Kanal. Wir sollen durchschwimmen. Von Deck aus hatten wir hier vorhin schon einen Hammerhai gesehen, aber nur ganz kurz. Drei Schildkröten haben wir schon entdeckt aber noch keinen Hai. Die Taucher sind schon wieder oben und wir sollen zum Boot kommen. Da sprudelt Torte neben mir. Er hat einen gesehen unter sich. Ich komme zu spät. Dafür tauchen jetzt einige Riesen-Mantarochen unter uns auf. Ein Augenblick den ich nie vergessen werde. Das Wasser ist kalt. Wir klappern in der Sonne an Bord.

Nach einer Aufwärmpause dürfen wir noch mal raus. Unter uns breitet sich ein so dichter Fischschwarm aus, wie ein Teppich und dann sind sie plötzlich da - die Haie. Es sind keine Riesen, auch leider kein Hammerhai!

Aber sie sind groß genug für unseren Geschmack! Auf den Wellen treibend beobachten wir andächtig das Schauspiel unter uns. Von links schwebt eine Gruppe Mantas majestätisch in Pfeilformation durchs Bild. Sie scheinen zu fliegen. Es sind große Tiere mit riesigen Spannweiten. Sie werden noch vor den Wasserschildkröten meine neuen Favoriten. Total unterkühlt aber glücklich krabbeln wir an Bord. Etwas neidisch sind wir schon, als die Taucher von ihren vielen Hammerhaien und den Wundern da unten erzählen. Sollte man vielleicht mal tauchen lernen? In Honduras soll das am preiswertesten sein und vor allem ist dort das Wasser warm... An der "isla de los lobos" machen wir noch einen Stopp und tummeln uns ein letztes Mal mit Seelöwen im Wasser.

Nach sieben Stunden sind wir wieder im Hafen. Es hat sich auf alle Fälle gelohnt! Ein würdiger Abschluss - leider! Die Inseln sind einzigartig vor allem durch ihre Tierwelt. Ich hätte nie gedacht, dass ein Ort, an dem es "bloß" Tiere zu sehen gibt so faszinieren kann. Aber nirgendwo kommt man den Tieren so nah und das ist der Unterschied!

Auch ohne Kreuzfahrt haben wir (sicher mit etwas mehr Mühe aber dafür selbst gemacht) alles gesehen! OK, vielleicht fehlen uns die ganz großen Seevögelkolonien und typischen Vulkankrater der jungen Inseln.

Aber alles sieht man auch auf dem Schiff nicht. Hasta luego Galapagos!