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Frühstück mit Rentnern

"Wer die Enge seiner Heimat begreifen will, der reise." von Frido Föhlich

Es ist kein leichtes Unterfangen in Nepal abseits touristischer Pfade entlang zu wandern. Den höchsten Berg der Welt gibt's eben nur einmal & somit entsprechend herdenweise Leute die ihn, egal im welchem körperlichen Zustand oder Alter, zu Gesicht bekommen wollen. Aber so einfach wollen wir uns dem Massentourismus nicht geschlagen geben & möchten den Spuren von den ersten Besteigern des Everest folgen, was uns ins kleine Dörfchen Tumlingtar verschlagen soll. Wie sich rausstellt, keine so leichte Herausforderung. Die Flüge für die kommende Woche sind komplett ausgebucht, weshalb nur der Landweg als letzte Option bleibt. Dies wird uns unter allen Umständen dringlichst abgeraten. Fahrzeit: 2 Tage - Risiko zu Sterben: ja. Wortlaut diverser Reiseagentouren: "the street is extrem dangerous, its a high risk & its possible to fall down and die." Na wenn das nichts ist. Müssen wir nur noch das finanzielle klären...
Am nächsten Morgen werden wir mit einer Stunde Verspätung am Hostel von einem Landrover abgeholt. Unser Fahrer weiß bis dato nicht wo er hin muss & hört zum ersten Mal von Tumlingtar. Weder Navi, noch Atlas existieren hier, weshalb wir gemeinsam vor der Abfahrt auf unsere Wanderkarte schauen. Maßstab: 1:250.000. Sind ja schonmal gute Voraussetzungen, wenn jetzt noch die Straßen im beschriebenen Zustand sind, steht uns einem lustigen Ausflug nichts mehr im Weg. Im ersten Teil unsere Strecke sind es nicht unbedingt die Verhältnisse des Asphalts, die einem den Puls unablässig in die Höhe treiben lassen, sondern die Fahrweise der mitunter geisteskranken Einheimischen. Nach dem Motto "wer bremst verliert" bräuchte es in jedem fahrbaren Untersatz in Nepal nur ein Gaspedal. Und Gebremst wird schonmal gar nicht. Wenn dann nur für die heiligen Kühe oder Ziegen die sich kurzfristig dazu entscheiden, die Fahrbahn zu überqueren. Überholt wird auch nur dann wenn es wirklich nichts zu sehen gibt. Am besten fährt ein LKW vor einem oder eine Kurve tut sich auf. Aber nur dann & erst dann, unter dröhnender Hupe, überholt der gemeine Nepali. Je besser die Straße, desto rasanter wird es. Auch wenn es komisch klingt, aber ich freu mich schon auf den Teil der Strecke, wo die Straßen im Arsch sind. Wenigstens kann man da nicht so rasen... Trotz aller Aufregung sind wir uns nach 10 Stunden Fahrt immernoch nicht sicher, richtig zu sein. Unser Chauffeur kann sich nichtmal den Ortsnamen merken, weshalb er sich immer wieder nach diesem bei uns erkundigt, um dann selbst nach dem Weg zu fragen. Mit Einbruch der Dunkelheit geht es ohne Licht serpentinenartig nach oben. Leitplanken bestehen aus dünnen Bambusästen. Aufgrund der Umstände überreden, nein zwingen wir fast, die Fahrer im nächstgelegenen Ort zu nächtigen.. Der darauffolgende Streckenabschnitt hat es nochmal ordentlich in sich. 3 Stunden Fahrt führen uns durch Schotter und Schlamm mit Schlaglöchern tiefer als das Contiloch in Chemnitz, an der indischen Grenze entlang. Im Sekundentakt knallt der Kopf an die Decke. Es hat schon fast etwas von Rodeo. Aber wir erreichen nach insgesamt 19 Stunden Fahrt unbeschadet, außer vielleicht mit ein paar psychischen Schäden, den Ausgangspunkt unserer Trekkingtour auf 400 Hm bei nicht weniger als 35 Grad Celsius.
Manchmal fragt man sich trotzdem warum man sich den ganzen Scheiß überhaupt antut. Die meisten würden wohl für 2 Wochen All Inclusive an die Südsee fliegen & sich am Strand verwöhnen lassen. Wir fahren durchs halbe Land, um mit 22 Kilogramm Gepäck auf dem Buckel von A nach B zu rammeln und dabei jeden Tag mehr als 1000 Meter Höhenunterschied zu bewältigen. Und am Ende des Tages schläft man neben Hühnern, auf einem nach Pisse stinkenden Kissen. Aber es sind die kleinen Momente die das alles vergessen lassen. Innerhalb der ersten 9 Tage sehen wir nicht mehr als einer handvoll Touristen & teilen die wunderschönen Landschaften jediglich mit uns selbst. Hier geht es nicht ums Geschäft oder ums Geld. So werden wir zum Tee trinken eingeladen, herzliche Familien stellen uns ihre einfachen (mitunter auch reudigen) Zimmer zum Schlafen zur Verfügung & kochen für uns feinstes Dal Bhat. Bis nach Lukla überwinden wir schon 3 Pässe, allesamt über 3000 Meter, queren Hängebrücken in gruseligen Höhen, die seit Jahren nicht saniert wurden & bekommen seltene, aber dafür umso fantastischere Blicke auf schneebedeckte Gipfel. Stupas glänzen in einem prachtvollen Gold & alte buddhistische Tempel leuchten in bunten Farben. Was entschädigt für die Anstrengungen der letzten Tage mehr als das?

Klar, wäre es mal wieder schön was anderes außer Reis zu essen (Dhal Bat Power - 24 Hour) oder sich nicht im Fluss waschen zu müssen. Aber baden im glasklaren Wasserfall hat auch was und umso glücklicher sind wir über die einfachen Dinge im Leben, wenn man sie wieder zur Verfügung hat. Eine richtige Toilette zum sitzen und nicht zum hocken, eine eiskalte Cola, eine heiße Dusche und WiFi sind hier Luxusgüter, die man erst jetzt richtig zu schätzen weiß.

Unser Weg kreuzt nun zum ersten Mal den Hauptstrom & es ist erschreckend zu sehen, was da alles nach oben kreucht und fleucht. Die Klischees verschiedener Stereotypen werden sofort bedient.
Die Hübsche: geschminkt, Lippenstift und macht Selfies vor yakscheiße.
Der Sportliche: lässt sich zwar seinen vollgepackten Rucksack von Portern tragen, scheut sich aber nicht davor bei jeder Pause ein paar Liegestütze einzustreuen.
Der Overequipte: meint Reinhold Messner zu sein, weil er Eispickel, Helm & tausende Karabiner außen am Rucksack befestigt hat und das bei einem normalen Wanderweg.
Generation 80 plus: Respekt für den Versuch, aber wenn man so kaum noch atmen kann, wieso dann nicht einfach ans Meer fahren, statt in eisige Höhen?!

Nachdem wir all die lahmen, mit Wanderstöcken ausgestatteten Urlauber überholt haben, erkennt man schon aus der Ferne die imposante Hillary-Bridge über der Schlucht. Je näher wir ihr kommen, desto mulmiger wird mir. Einen anderen Weg um in die Haupstatdt der Everest Region zu kommen, gibt es leider Gottes nicht. Nach einem steilen Aufstieg stehen wir vor der 160 Meter hohen, beeindruckenden Hängebrücke.
Überall wehen Gebetsfahnen im Wind und es bildet sich eine regelrechte Menschentraube.
Als eine ganze Karawane Yaks auf die Brücke kommt, schaukelt das Gebilde gewaltig.
Der Blick von der Mitte hinab ins Tal und auf den Dudhkoshi ist angsteinflössend als auch phänomenal. Mir fällt regelrecht ein Stein vom Herzen als ich wieder festen Boden unter den Füßen habe. Absolut beeindruckend bleiben auch die Sherpas bzw. Träger, die in den seltensten Fällen weniger als 50 kilogramm durch die engen Täler schleppen und das meist in Badelatschen oder Flip Flops. Dabei beruht es sich nicht nur auf mehrere Reisetaschen, sondern häufig auch auf Ziegelsteine, Blechdächer & Dachpappen... In namche bazar (3400m) angekommen, ist eine Wohltat sich endlich wieder unter eine heiße Dusche zu stellen & die völlig durchgeschwitzten Sachen in eine Wäscherei zu bringen. Zur Belohnung für unseren kräftezerrenden 11 Tagesmarsch gibt es erste atembraubende Blicke auf den Mount Everest & Ama Dablam. Gebührend feiern wir den ersten Teilerfolg mit Yak-Steak, Pommes und Bier im höchstgelegenen Pub der Welt. Salute Chemnitz !

Wir schonen jetzt für zwei Tage unsere Knochen & Muskeln bevor wir unseren Plan, den  'Super Epic Great Himalayan Trail' über drei 5000er Pässe, verwirklichen wollen.