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Rio Eslabon - Der Regenwald hat uns wieder

Inzwischen sind wir von unserer Alternativtour zurückgekehrt – schmutzig aber glücklich! Haben ständig gedacht, dass Frido und Paul jetzt dabei sein sollten – natürlich hauptsächlich wegen der rauschenden Geburtstagsparty zu Fridos 21. ;-))). Die neue Route begann im motorisierten Einbaum 6 Stunden den Rio Tuichi im Madidinationalpark hinauf bis zu einem Landstück namens Santa Rosa. Dort, oben auf dem Steilufer, hatte früher ein Franzose eine Hütte für Touristen samt Kaffeepflanzung angelegt. Seit Jahren wird das Stück Land von einem einzelnen einsamen Señor behütet und gehegt. Wir hatten ihm bei vergangenen Touren am Tuichi immer mal wieder beim Vorbeifahren bestellte Lebensmittel hingestellt oder ihn auch mal mit nach Rurre genommen, wenn er winkend am Ufer stand. Diesmal ist seine Hütte verlassen. Wahrscheinlich ist er für ein paar Tage zur Fiesta nach Rurre gefahren. Nach 2 x 15 Minuten Keuchen stehen wir samt Ausrüstung auf einer regelrecht malerischen, gepflegten Lichtung mit der verlassenen Hütte und keine 50 Meter vor uns öffnet sich der Urwald und gibt den Blick auf eine riesige, fast 5 km lange Lagune frei. Wir hatten zwar viel von ihr gehört. Aber der Ausblick verschlug uns regelrecht die Sprache. Klares Wasser von Palmen und dichtem Urwald gesäumt. Direkt über uns krakeelten blau-gelbe Aras. Im Ufergeäst krächzten Hoazine und eine große Truppe Kapuziner- und Totenkopfäffchen verursachte ein Heiden-Spektakel.Am allerbesten ist natürlich, wegen des Motorbootes haben wir für diesen ersten Abend noch eine Box mit kaltem Bier dabei und einen großen Fisch haben wir unterwegs auch schon gefangen – Luxusurlaub. Wir bauen unsere Zelte auf, entzünden ein Kochfeuer und genießen es einfach, auf der Welt zu sein. Cachi von der Tierstation ist mit seinen Söhnen für einen Kurzausflug auch dabei. Obwohl er den Fluss kennt, ist auch er völlig begeistert. Am nächsten Tag fährt das Boot mit ihnen nach Rurre zurück und wir 2 sind mit Melvin und Pipo auf unbestimmte Zeit alleine. Erste Amtshandlung nach dem Frühstück – Boote aufblasen.
 

Für uns haben wir die 2 Packrafts (je 2,6 Kilo) dabei. Zusätzlich haben wir von Cachi noch ein Schlauchkajak (ca. 8 Kilo) geborgt. Wenn der Plan aufgeht, müssen wir unser ganzes Gerümpel nur zwei bis drei Tagesmärsche zwischen den Flüssen rüber schleppen. Wir haben bei „Google-earth“ auch ein paar GPS Punkte rauskopiert. Geplante Tourdauer max. vielleicht 14 Tage – aber mit Plänen haben wir es ja dieses Jahr nicht so ;-))))

Nächster Akt: Mit unseren Booten paddeln wir nach „rechts“ am Ufer entlang. Irgendwo muss dort ein Aus- bzw. Einstieg sein für einen selten benutzten Trampelpfad zum kleinen Rio Eslabon (der mündet später wiederum in den Rio Tuichi). Das Ufer des Sees ist gesäumt von Bilderbuchurwald – so sieht er auf den alten Schwarz-Weiß-Zeichnungen immer aus. Plötzlich liegt ein schwerer Duft in der Luft. Irgendwie erinnert er an Weihnachten …. VANNILLE. Klar kenne ich die schwarzen getrockneten Schoten aus der Backabteilung, dachte aber immer an einen Baum. Hier ranken sich an unzähligen Palmen grünblättrige Kletterpflanzen empor, einige blühen gelb. Das ist Vanillia. Klingt komisch, ist aber so.
Der Clou ist, wir finden tatsächlich ein wegartiges Gebilde – also ein „Loch“ im Ufergestrüpp. Luftlinie zum Eslabon laut unserem Gerät gerademal drei Kilometer!!! Na das ist doch mal was!!!! Da schrumpft der Gepäckberg doch gleich mit – zumindest in der Phantasie ;-))). Heute erkunden wir erstmal noch den Rest der Lagune. Die Jungs angeln 12 Piranhas fürs Abendbrot und wir baden im herrlich sauberen Wasser ohne Sandfliegen und Moskitos. Die Piranhas sind da sicher gerade anders wo… Bier gibt’s heute keins mehr aber dafür Affen, Aras und allerlei anderes Vogelgetier im Abendrot. Die Welt ist schön!
 

Der „schöngeredete“ Gepäckberg ist dann am Morgen doch üppiger als gedacht und die Bootsbeladung sieht echt lustig aus. Eine halbe Stunde Paddelei und dann muss alles auf vier Rücken verteilt werden. Ist ja zum Glück nicht allzu weit! Die Paddel statt Trecking Stöcke in der Hand geht’s ziemlich sofort an die erste steile Steigung. Wie konnte ich früher nur ohne Paddel wandern? Hier bin ich mal nicht die einzige, die sofort klitschnass geschwitzt ist. Aber es funzt. Irgendwer scheint den Pfad immer mal zu benutzen. Da wir über eine Art Plateau stiefeln ist der Urwald eher offen und nicht so zu gewuchert unter den Bäumen wir in Flussnähe. Nach nur 2 Stunden (für 3km), einer mittelmäßigen Flussquerung und nur einmal Wegsuching stehen wir triefend aber erleichtert tatsächlich am Rio Eslabon. … und der ist völlig verstopft von Treibholzhaufen. Nein keine Äste und Zweiglein – ordentliche Bäume liegen uns im Weg. Ein paar hundert Meter flussabwärts finden wir einen Zugang, pusten die Boote wieder auf vergessen fast sofort die Schinderei. Der Fluss ist klein und kurvenreich, das Wasser noch nicht immer tief genug. Ab und an müssen wir den Hintern heben oder aussteigen und treideln. Aber das Wasser ist klar und es wimmelt von Fischen. Nein keine kleinen Sardinas sondern ordentliche Welse und Bakus. Melvin und Pipo drehen förmlich durch. Ständig muss geangelt werden. Beste Momentaufnahme: Die Jungs links auf der Sandbank aufgereiht mit den ausgeworfenen Schnüren und gegenüber, 4 m entfernt, der Alligator Kopf arsch-cool in Lauerposition.  Der Eslabon mäandert stark. Große Sandbänke säumen die Ufer, voll mit Spuren von allem Getier. Meist finden wir Tapirspuren und die von Wasserschweinen, aber auch ganz oft frische Abdrücke von Jaguartatzen und kleineren Raubkatzen. Gleich auf den ersten Metern haben wir einen aufgescheucht im Unterholz. Jeder Meter Schlepperei war die Mühe wert!!! Beim ipp`sten Angelstopp (wir haben zwar schon drei Fische, aber es könnten ja noch bessere kommen …) gegen Fünf auf einer Sandbank treffen wir leider die unglückliche Wahl dort zu schlafen. Klar ist ein Camp auf einer Sandbank leichter zu basteln, statt sich im Urwald erst mühsam ein Fleckchen mit der Machete frei zu hauen. Man kommt auch leichter ans Wasser. Die Abendsonne trocknet dann noch schnell die durchnässten Klamotten. Doch Faulheit wird bestraft - wir haben gerade alles ausgeladen und die ersten Dinge zum Trocknen ausgebreitet, da summt es auch schon, das Böse – Bienen! Sie haben den lecker Schweiß entdeckt. Kurze Zeit später sitzen sie dicht an dicht auf den schweißgetränkten Rucksäcken, den Sitzflächen in den Booten und umlagern uns mit unseren verschwitzten Klamotten. Sie sind überhaupt nicht aggressiv nur eben so viele! Irgendwann erwischt es einen zwangsläufig. Völlig unentspannt tigert man umher und verteilt sein Zeug über das Gelände um abstand zwischen die Brennpunkte zu kriegen. Ne gute Gelegenheit, um Dinge zu versieben;-)))! Wirklich umziehen und waschen mag man sich auch nicht. Noch sind die Sandfliegen wach und warten nur auf Frischfleisch. Es gibt also Wahl-Elend! Dann geht die Sonne langsam unter und der Spuk ist für 12 Stunden plötzlich vorbei. Ok, in ner halben Stunde kommen die Moskitos. Aber mit etwas Glück arbeiten die dann nur ne halbe Stunde intensiv und nicht die ganze Nacht. Und wir haben Glück – im Millionen-Sterne-Hotel sitzen wir später bei Cocktails (eine Verschlusskappe 96%er Alkohol + Limette + Flusswasser) und staunen immer noch über den Rio Eslabon mit den vielen Spuren und Fischen. Fisch wird auf dieser Tour Grundnahrungsmittel – 2-3mal täglich und variantenreich zubereitet. Mein Favorit wird Wels mit Limette und Zwiebel im Blatt langsam in der Glut gegart.

 

Wir beschließen gleich zur Morgendämmerung 6.00 Uhr aufzustehen, ohne Frühstück schnell zu packen und abzuhauen. Aber es wird ein sonniger morgen und bereits 6.00 Uhr weckt uns das erste Brummen. Über Nacht haben die auch noch ihren restlichen Kumpels Bescheid gesagt – also nix wie weg. Nach 2 Kurven haben wir alle abgeschüttelt und suchen ein Frühstücksplätzchen. Es gibt Pappkekse und Fisch geräuchert vom Vorabend. Warum wir jetzt hier fast eine Stunde sitzen können und nur erbärmlich 4 Bienen auftauchen, weiß der Fuchs!!! Heute paddeln wir etwas mehr und beginnen erst nach dem Mittag mit der Angelei. Wenn man 7.00 Uhr schon lospaddelt kann das ein langer Paddeltag werden…. Wir „scannen“ Bäume und Sandbänke und werden belohnt mit Wasserschwein Familien, die schrille Warnrufe aussenden, bevor sie davonstieben. Mit Schildkröten, die sich wie Dominosteine auf angeschwemmten Baumstämmen aufreihen um sich zu sonnen. Aus den Bäumen werden wir neugierig oder auch kritisch von Brüllaffen, Klammeraffen, Totenkopf- und Kapuzinern begutachtet. Der Fluss hat nur wenig mehr Wasser und man muss die Augen offenhalten, um eine Durchfahrt zu finden. Langweilig wird uns nicht. Man kann ja auch noch versuchen, die Fische mit dem Paddel zu erwischen… Gegen Nachmittag türmen sich rundherum immer mehr dunkle Wolken übereinander. Donnergrummeln lässt nicht lange auf sich warten. Aber über uns ist es trocken. In weiter Entfernung zucken Blitze durch den dunklen Himmel – der liebe Gott schießt Fotos. Wind kommt auf und mit einem Mal öffnen sich die Schleusen. Ein warmer Blasenregen durchnässt uns binnen Minuten. Die schönen Boote werden zu Badewannen. Wir können nicht mehr weit von der Mündung entfernt sein -  sagt der Gerät zumindest. Aber hinter der direkten Luftlinien-Anzeige verbergen sich meist 4-5-mal so viele wirkliche Flusskilometer. Noch ist es hell und wir wissen da unten, kurz vorm Zusammenfluss, hat eine Agentur mal ein Camp gebaut, als der Tourismus noch florierte. Campaufbau mitten im Nichts bei Dauerregen oder ein vielleicht intaktes Dach aus Palmenblättern? …. Wir wählen die letztere Option und werden belohnt. Es war schon länger keiner hier. Der Zahn der Zeit hat Spuren hinterlassen. Aber über einem stabilen Holzfußboden auf Stelzen wölbt sich ein hohes dichtes Dach im sicheren höhergelegeneren Wald. Wir werfen das Gepäck ins Trockene, holen die Boote nach und füllen Sie mit klarem Flusswasser als Trinkwasserreserve. Schon jetzt hört man wie das Rauschen des Eslabon bedrohlicher wird. Aus dem klaren Wasser werden rote erdige, stetig steigende Fluten - während wir zufrieden bei Kerzenschein unterm Dach hocken und schon wieder das Leben genießen.
Den Versuch, uns von hier quer durch den Wald zum Rio Hondo, unserem eigentlichen Ziel, durchzuschlagen, geben wir nach 2 Stunden Machetengehacke entnervt auf. Durch das GPS haben wir zwar einen ungefähren Zielpunkt, aber wir schaffen bei diesem ersten Versuch ohne Gepäck in diesen 2 Stunden nicht mal einen Kilometer. Das Gerät zeigt eine Bewegungsgeschwindigkeit von 0,00 km/h an – deprimierend! Der Wald zwischen den Flüssen ist mit Primärurwald nicht zu vergleichen. Bei Fluten wird dieser Wald hier zur Regenzeit immer wieder überspült. Dann kippen Bäume um und die hinfort gespülte Bodenvegetation wuchert von neuem ohne je groß zu werden. Es ist ein einziges verfilztes Dickicht. Schweren Herzens kapitulieren wir. Bleiben wir halt in unserem Luxuscamp. Die eingerollten Boote auf dem Buckel unternehmen wir Tagestouren zu Fuß am Fluss entlang. Ohne schweres Gepäck können wir so die Begegnungen mit Tieren und Pflanzen genießen. Zurück lassen wir uns auf dem Wasser treiben oder Angeln. Nach vier Nächten packen wir zusammen, paddeln bis zur Mündung in den Rio Tuichi. Der wird uns in anderthalb Tagen bis zum Rio Beni führen. Ist der Beni nicht zu gefährlich, also zu voll, paddeln wir auch die restlichen km direkt bis nach Rurre. Der Geist der Regenzeit ist uns wohl gesonnen. Wir müssen zwar gegen einen bösen Gegenwind in den Canyons anpaddeln, aber unserer Gummiflummis hoppeln sicher zwischen den Strudeln hindurch. Nur manchmal, wenn sich plötzlich neben einem ein kleines Strudelloch auftut, merkt man, wie man mit dem Heck hineingesaugt wird. Quasi so, wie wenn man sich früher (als Kind natürlich) mit der nackten Pobacke auf den vom Stöpsel befreiten Abfluss der Badewanne gesetzt hat. Kennt Ihr doch alle – oder?!?!
Am Nachmittag des neunten Tages erreichen wir sehr zufrieden Rurrenabaque – es gab gleich ein Hafenbier und am Abend mit Sicherheit keinen Fisch!!!